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An die deutsche Frau, 1939 - Eine Serie von 12 Bildern




      Hausfrau und Mutter, Mutterglück, Mutterkreuz - dieser Festlegung der deutschen («arischen») Frau durch die Nationalsozialisten in jener unseligen Zeit konnte praktisch keine Frau entkommen.


Bild 1 Apfel © Wiltrud  Betzler-Schellin
Bild 2 Teller mit Löffel © Wiltrud Betzler-Schellin
Bild 3 Marmeladenglas © Wiltrud Betzler-Schellin
Bild 4 Fisch © Wiltrud Betzler-Schellin
Bild 5 Teller mit Besteck © Wiltrud Betzler-Schellin
Bild 6 Fisch © Wiltrud Betzler-Schellin


      Angestoßen durch die Diskussion um Eva Herman (2007) wurde die Serie An die deutsche Frau, 1939 gestaltet. Andererseits knüpft die Reihe an mein eigenes Projekt 106 an. Bei diesem wurden in Objektkisten für 106 Jahre Originale eingeklebt, so wie hier originale Papierstücke aus der NS-Zeit verwendet wurden. Jede Platte enthält also Originalpapiere aus einer Schriftenreihe in Heftform (Preis 20 Pf.), die Themen wie Was essen wir heute zum Abendbrot? oder Frischkost an jedem Tag für die deutsche Hausfrau und Mutter bereithielt. Herausgegeben wurde sie im Beyer-Verlag Leipzig in Verbindung mit der Reichsfrauenführung vom Reichsfrauenausschuss für Volkswirtschaftliche Aufklärung. Leider enthalten die Hefte keine Monats- oder Jahresangaben, so dass hier alles auf das Jahr 1939, den deutschen Überfall auf Polen und damit den Ausbruch des 2. Weltkriegs fokussiert wurde.

      Fast jedem Heft ist ein Geleitwort oder ein Auszug aus einer Rede von Gertrud Scholtz-Klink vorangestellt. Sie war ab 1934 Reichsfrauenführerin, dreimal verheiratet und hat 11 Kinder groß gezogen. Kritiker sagen, sie hätte sich nicht genügend um die Kinder gekümmert. Ein Vorbild für die deutsche Frau?
      Scholtz-Klink war und blieb auch nach dem Zusammenbruch des «Dritten Reichs» eine Unbelehrbare. Ihr autobiographisches Buch Die Frau im Dritten Reich (1978) zeugt wohl eher von ihrer unveränderten, ungebrochenen Begeisterung für den Nationalsozialismus als von einer kritischen Reflexion jener Zeit.
      Ist so eine Einstellung heute wieder hoffähig?
      Um solchen Einstellungen Paroli bieten zu können, muss man die Originaltexte erst einmal kennen. Deshalb befindet sich unter den Abbildungen der Objekte der jeweilige Textabschnitt der Folie - zum Nachlesen.


Bild 7 Birne © Wiltrud Betzler-Schellin
Bild 8 Fisch © Wiltrud Betzler-Schellin
Bild 9 Teller mit Löffel © Wiltrud Betzler-Schellin
Bild 10 Fisch © Wiltrud Betzler-Schellin
Bild 11 Marmeladenglas © Wiltrud Betzler-Schellin
Bild 12 Birne © Wiltrud Betzler-Schellin


      Zur Gestaltung: Auf die Platten wurden Originalfetzen der oben erwähnten Schriftenreihe aufgeklebt, dann die Platten mit Lebensmitteln oder Küchendingen bemalt, dabei die collagierten Papierstücke zum Teil fast vollständig übermalt, und zwar in einem starkfarbenen wilden Stil, angelehnt an den Expressionismus, eine in Deutschland damals stark vertretene Malweise; so gemalt ganz bewusst im Gegensatz zu der in der NS-Zeit geforderten und geförderten Malrichtung, die mit großer Genauigkeit Darstellungen von allegorischen Frauenakten oder von Portraits usw. produzierte. Die expressionistischen Maler gehörten zu den Künstlern, die Malverbot hatten und deren Werke durch Adolf Ziegler, den Präsidenten der Reichskammer der Bildenden Künste, aus den deutschen Museen entfernt (Säuberung der Museen) und unter dem Begriff «Entartete Kunst» diffamiert und häufig sogar vernichtet wurden. Anschließend wurde noch ein weiteres Stück Originalpapier als sichtbarer Beleg am unteren Rand collagiert, meist der Hinweis auf die Herausgeber. Im Abstand einiger Millimeter ist eine Folie mit Teilstücken aus Reden von Scholtz-Klink aufgelegt. Die gewollten Gegensätze und Widersprüche der Objekte erzeugen ein starkes Spannungsfeld. Die fertigen Objekte wurden mit einer Acrylglasplatte überdeckt.



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Diese Seite wurde zuerst erstellt am 3. Januar 2008
Zuletzt bearbeitet am 4. Januar 2008

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