Über Heinz Erhardt
Tränen gelacht
Heinz
Lemmermann zu seinem 70. Geburtstag
Heinz
Lemmermann - Auskunft über sich
selbst
Heinz
Lemmermann begeisterte beim Ringelnatz-Abend sein
Publikum
Komponisten-Preis
für Heinz Lemmermann
Bundesverdienstkreuz
für Heinz Lemmermann
Von
Trupe aus gings rund um den Globus
-
Konzert
zum 70. Geburtstag
Heinz
Lemmermann 70 Jahre alt - AfS
gratuliert
Professor Heinz Lemmermann rezitiert großen deutschen
Komiker
Von Hans-Joachim Brandt (Wümme-Zeitung,
10.9.04)
Lilienthal. Heinz Erhardt ist einem breiten Publikum besonders durch seine 50 Filme bekannt geworden. Die hatten nicht immer die Qualität, die man von dem großen deutschen Kabarettisten und Komiker hätte erwarten können. Trotzdem haben sich die Filme in den letzten Jahren bei einem jungen Publikum zum Kult entwickelt.
Heinz Lemmermann, der noch vor geraumer Zeit im Lilienthaler Amtmann-Schroeter-Haus Wilhelm Busch rezitiert hatte, nahm sich nun den Sprachschöpfer Heinz Erhardt vor. Es wurde wieder einmal eine kurzweilige Veranstaltung, bei der viele der älteren Zuhörer Tränen lachten. Der Professor aus Trupe trug die vielen Verse, Gedichte, Fabeln und Parodien frei vor; aber dabei ließ er es nicht bewenden: Wie gewohnt verband er die ausgewählten Texte Heinz Erhardts mit einem Gang durch die Literatur- und Kulturgeschichte.
Da kam natürlich Wilhelm Busch zu Wort, aber auch Christian Morgenstern, Joachim Ringelnatz, Werner Finck und Dieter Hildebrandt. Er zitierte George Bernhard Shaw und Mark Twain, und bei Erhardts Parodien natürlich auch Goethe und Schiller.
Heinz Erhardt erblickte 1909 das Licht der Welt im lettischen Riga , wo um die Jahrhundertwende eine starke deutsche Minderheit lebte. Weil sein Vater Kapellmeister war, kam er schon früh in vielen Teilen Deutschlands herum. Die ausgehenden Zwanziger Jahre in Berlin prägten ihn, in Leipzig studierte er Musik und im schlesischen Breslau hatte er Mitte der Dreißiger Jahre als Vertreter des erkrankten Peter Igelhoff seinen künstlerischen Durchbruch als musikalischer Kabarettist . Sein großes Vorbild wurde Werner Finck, der in der NS-Zeit durch seine kabarettistischen Zweideutigkeiten berühmt wurde.
Heinz Erhardt, der nicht "zu den Soldaten, sondern zur Marine" gegangen war, heuerte nach 1945 beim Hamburger NWDR, dem Nordwestdeutschen Rundfunk der Britischen Zone, an. Hier fand er sein Medium, und das machte ihn deutschlandweit berühmt. Er überzeugte durch seine sprachschöpferischen Verse, die alltägliche Erfahrungen und Situationen persiflierten.
Und da war auch Heinz Lemmermann in seinem Element. Er rezitierte Erhardts hintersinnige Tierfabeln und den Musikfreund Erhardt, der aber die musikalischen Veranstaltungen nie ganz ernst nahm. So machte er sich über eine Opernsängerin lustig, über die Geschäftigkeit bei Männerchören, über die Rituale bei Sinfoniekonzerten und natürlich über die Musikkritiker. Ein Meisterwerk Erhardts ist sicherlich sein Gedicht über den italienischen Opernkomponisten Giuseppe Verdi. Viele seiner Figuren sind in einem kuriosen Handlungsablauf eingebunden. Goethes "Erlkönig" und Schillers "Wilhelm Tell" finden bei Heinz Erhardt neue und überraschende Interpretationen.
Heinz Erhardt erkrankte 1971 nach einem schweren Schlaganfall. Der Sprachschöpfer fand tragischerweise bis zu seinem Tod 1979 nie mehr seine Sprache wieder.
Der Musikprofessor Heinz Lemmermann hat auch einige Texte Heinz Erhardts als "Kuriose Songs für Kleine und Große" vertont, die unter dem Titel "Der Igel und die Igelin" im Hildegard-Junker-Verlag erschienen sind. Im Schroeter-Haus begleitete er sich jetzt selber am elektrischen Klavier.
Heinz Lemmermann 70 Jahre alt - wir gratulieren!
"Ich
meine, dass die Universität auf einem guten Wege ist und auch
moderne technikorientierte Produktions- und Vermittlungsformen immer
stärker ausbaut.
(Meine technische Kompetenz' - das weiß wohl so mancher - war
eindeutig ,unterbelichtet'. Meine nur gelegentlich unfallfreie
Handhabung von Bild- und Tonträgern wurde von den Studierenden
schon als technische Meisterleistung gefeiert!) Man muss sich auch
als Fachdidaktiker seiner Grenzen bewusst sein, und da halte ich es
mit Wilhelm Busch:
,Halt dein Rösslein nur im Zügel,
Kommst ja doch nicht allzu weit;
Hinter jedem neuen Hügel
Dehnt sich die Unendlichkeit.
Nenne niemand dumm und säumig,
Der das Nächste recht bedenkt;
Ach, die Welt ist so geräumig
Und der Kopf ist so beschränkt."
(Heinz
Lemmermann in einem Interview mit W. A. Torkel, in: Noten &
Notizen - Heinz Lemmermann, Eres Edition, Lilienthal 2000, S.
109)
Was sich hier liest als feinsinniger Kommentar zu bestimmten
inhaltlichen Aspekten in diesem AfS-Magazin sind wohlüberlegte
Worte von Prof. Dr. Heinz Lemmermann - Musikprofessor, Didaktiker,
Autor, Komponist, Chorleiter, Politiker, Rezitator, Wissenschaftler
und weiser Lehrer (die Aufzählung ist natürlich
unvollständig).
Dem AfS war er über lange Jahre eng verbunden: 1975-79 im Bundesvorstand; 1966-68, 76-80 Vorsitzender Landesbereich Niedersachsen/Bremen. In dieser Zeit setzte Lemmermann mit seinen musikpädagogischen Beiträgen Maßstäbe und prägte viele Fortbildungsveranstaltungen durch seine unnachahmliche Präsenz. Zu seinem 70. Geburtstag gratuliert der AfS ganz herzlich und wünscht noch viel Zeit für die "Lieblingsbeschäftigung: Sommertags im Grase liegend Wilhelm Busch zitieren und den Wolken nachschauen, die über die norddeutsche Tiefebene schweben..."
Zu seinem Geburtstag erschien im Eres-Verlag, Lilienthal, die Jubiläumsausgabe Noten & Notizen - Heinz Lemmermann, die eine Liste von allen Publikationen Lemmermanns sowie Texte anderer Autoren über seine Arbeit enthält.
[AfS-Magazin Nr. 10 / 2000, S. 34]
Von
Trupe aus gings rund um den Globus
von
Harald Paul
(Wümme-Zeitung, 21.11.2000)
Zwei
Chöre ehrten den Komponisten Heinz Lemmermann mit einem Konzert
zu seinem 70. Geburtstag
Lilienthal.
"Wohl denen, die dich lieben und die dir wünschen, dass es
dirs wohl gehe!" An diesen Bibelspruch wurde man erinnert, als
am Sonntag im Schulzentrum Schoofmoor zwei Chöre aus
Aumund-Vegesack und Delmenhorst Heinz Lemmermann aus Trupe, der am
18. August seinen 70. Geburtstag feiern durfte, ihr Ständchen
brachten. Vor vollem Haus sangen mindestens 150 Sängerinnen und
Sänger aus voller Kehle und mit sichtbarer Begeisterung
Chormusik des Komponisten Lemmermann aus aller Welt.
Wie
er selbst am Schluss bekannte, sei er kaum über Bassum
hinausgekommen, die Chorleiter der beiden Chöre die
Chorgemeinschaft Aumund-Vegesack unter der Leitung von Klaus
Nelhiebel und der Gesangsverein "Teutonia Delmenhorst", Leitung:
Helmfried Röder bescheinigten ihm aber, dass er die Musik
der Völker "rund um den Globus" kongenial nachempfunden und in
der ihm eigenen Weise in Chorsätze umgewandelt habe. Als Dank
und als nachträgliches Geburtstagsgeschenk präsentierten
sie zusammen zwei Stunden unterhaltsame und nachdenkliche
Musikeindrücke, die zu vielen Einsichten der Zuhörer
führten.
Zunächst: Was kann Musik für Freude bereiten, vor allem, wenn man sie in der Gemeinschaft ausübt. Sodann: Was für eine Breitenwirkung kann ein Pädagoge haben, der Chorleiter ausbildet, die über Jahre hinaus sangesfreudige Normalbürger begeistern können, in zahlreichen Chören mitzuwirken. Letzendlich muss man dem Komponisten bescheinigen, dass seine Chorsätze nicht nur für die Sänger nachempfindbar und singbar sind, sondern auch von beeindruckendem Erfindungsreichtum und Musikalität zeugen. Die beiden Chöre überzeugten durch ihre Begeisterung. Erfreulich zu sehen, dass die Chorgemeinschaft ohne Noten auskam: Alle schauten gebannt auf den Dirigenten! Schlussbemerkung des geehrten Komponisten: Er habe versucht, die Musik anderer Völker nachzuempfinden und den Eindruck, dass die Sänger gleich ihm empfunden haben.Beide Chorleiter waren Schüler und Studenten des Professors an der PH und der Uni Bremen. Sie schwärmten noch heute nach 30 Jahren von ihrem Lehrer, der immer pünktlich und gut vorbereitet war und voller Humor ihnen beigebracht hat, wie man "Hänschen Klein" transponiert, die Stimmgabel hält und einen Chor leitet.Nicht nur dies haben sie ihm abgeguckt, sondern auch, wie man zwischen den einzelnen Musikdarbietungen Moderation macht. Viele amüsante Anekdoten und Döntjes belebten das Programm. Und das Programm? Zwei Stunden Lemmermann und keine Langeweile! Es ist gleichermaßen bemerkens- wie lobenswert, welch ein Spektrum der musikalischen Ausdrucksweise hier erscheint: empfindsames Volkslied, Shanties, Spirituals, humorvolle Kunststücke. Kunst kommt von Können so zitiert er andere. Nein, es muss schon gesagt werden: Es war für das Geburtstagskind und die mit ihm feiernden Zuhörer ein Erlebnis, mit welcher Begeisterung hier Musik zelebriert wurde.
Auf die einzelnen Titel der Chorsätze kann man in einer kurzen Rezension nicht eingehen, besonders erwähnenswert war: je später der Nachmittag, desto enthusiastischer der Vortrag; je rhythmischer der Chorsatz, desto beschwingter die Mitwirkenden. Heinz Lemmermann zitiert selbst in seinem "Schalk im Nacken" den ehrwürdigen Goethe: Der 70. Geburtstag sei ein Zeitpunkt, "an welchem der wohldenkende Mensch Aufmunterung von außen bedarf, weil er sich gewiss nicht enthält, innerlich sowohl rückwärts als vorwärts zu blicken, jenes mit vollem Ernst, dieses mit einiger Bedenklichkeit." Wir wünschen uns jedenfalls, dass er sich wie angekündigt noch nicht enthält, sondern uns und vielen Sangesfreudigen weiterhin mit derartig "Liederlichem" erfreut.
...
und liest und schreibt und rezitiert
Professor Dr. Heinz Lemmermann zu seinem 70. Geburtstag
"Solange ist das schon her, dass ich Ihre Studentin sein durfte", schrieb in diesen Tagen eine Lehrerin dem Universitätsprofessor Dr. Heinz Lemmermann, "und Sie sollen tatsächlich schon Ihren 70. Geburtstag feiern?" Im Rückblick auf die hektische Zeit der Aufbauphase der Universität Bremen, als so manche Lehrveranstaltung "gesprengt" wurde, bekräftigt die heute aktive Pädagogin mit einem Dank an den geschätzten Hochschullehrer: "Bei Ihnen hatte ich immer das Gefühl, auf einen Menschen zu treffen, der höchste Sachkompetenz mit großem Sinn für Gerechtigkeit und sozialer Verantwortung vereint. Sie waren für mich 'ein Weiser'".
Dr. Heinz Lemmermann wurde am 18. August 1930 in einem alten "windschiefen Bauernhaus" in Trupe geboren. Noch heute hat der Meister der Musik und der Sprache in jenem Raum sein Arbeitszimmer, in dem der "Neuankömmling" das Licht der Welt erblickte. "Ich habe ja nie meinen 'port' verlassen, d.h., ich habe hier ge- und verborgen gelebt", erklärt Heinz Lemmermann, der zu keiner Zeit ein Stadtmensch geworden ist, sondern zurückgezogen seine "Klausur" sucht, in der er kreativ und schöpferisch wirken kann.
Das im Juli 2000 in der Lilienthaler "Eres Edition" von Horst Schubert herausgegebene Buch über Heinz Lemmermann "Noten & Notizen" - Seine Publikationen 1959-2001 und Texte vom und zum Autoren informiert aufschlussreich über das Leben und Wirken des erfolgreichen Komponisten, Wissenschaftlers, Musikpädagogen und Autors. In Form eines umfangreichen Verzeichnisses und darüber hinaus "in locker gefügten Texten" erfährt der Leser viele Einzelheiten über Heinz Lemmermann, der über sich selbst sagt, er "habe oft zu viel gemacht" und humorvoll bekräftigt: "Ich wollte nie einfältig sein, sondern vielfältig".
Als 14 1/2-Jähriger hat Heinz Lemmermann das Ende des Zweiten Weltkrieges bewusst erfahren, und als Erwachsener, so betont er, habe er dann unwahrscheinliches Glück gehabt, in einer Zeit ohne Krieg leben zu können. Der heute 70-Jährige beschreibt dieses "große Lebensglück" mit den Umständen, dass er nie fliehen und hungern musste, nie verfolgt wurde, immer ein offenes Wort sagen durfte und bis heute an seiner Geburtsstätte bleiben konnte; nie wurde er arbeitslos oder musste schwere Krankheiten erleiden. "Eigentlich gehören wir zu einer Generation, die ungemein viel Glück gehabt hat", unterstreicht Heinz Lemmermann, der diese Situation dankbar als "unverdiente Gnade" empfindet und kommentiert. "Im Vergleich zu den Generationen vor mir bin ich eigentlich mit Negativem wenig konfrontiert worden".

Als Sohn des Lehrers und Organisten Albert Lemmermann erhielt er seinen ersten Klavierunterricht beim Vater - später beim Bremer Domorganisten Wilhelm Evers. Nach dem Abitur studierte Heinz Lemmermann in Hamburg Schulmusik, Musikwissenschaft, Erziehungswissenschaft und Theologie. Der Studienrat wurde schon bald Dozent und Professor und lehrte ab 1973 an der Universität Bremen im Arbeitsschwerpunkt Theorie und Praxis des Musikunterrichts. Als Dirigent leitete er etliche Chöre, und im Rahmen der Lehrerausbildung führte er unzählige Vortrags- und Kursleitertätigkeiten durch.
Heinz Lernmermann, der nach der Devise handelt, "Humor dreimal täglich macht's Leben erträglich", beschreibt sich entsprechend selbst mit den Worten: "Er liest viel, weil ein Doktor und Professor so etwas einfach tun muss. Und dann schreibt er dicke Bücher, für die Wissenschaft, so zum Ernst; und dünne, mit lustigen Geschichten, so zum Spaß. Die Lieder, die er macht, werden oft gesungen, in Schulklassen und von Chören, und das manchmal so schön und richtig, dass er sie doch glatt wiedererkennt, wenn sie ihm ins Ohr dringen".
Ein bemerkenswertes Spektrum von Fähigkeiten ermöglichen Heinz Lemmermann, auf breitem Niveau schöpferisch und ideenreich tätig zu sein: in der Musik, in der Sprache, in der Pädagogik und in der Schreiberei. Die umfangreiche Zusammenstellung von Schriften, Aufsätzen, Abhandlungen, Vorträgen und Musikausgaben, aufgelistet in dem Buch "Noten & Notizen", vermittelt das vielseitige sowie wirkungsvolle Schaffen des "Klang- und Sprachmeisters". In seiner sympathischen Bescheidenheit erklärt Heinz Lemmermann jedoch dem Gesprächspartner: "Früher beschrieb man so etwas wie mich ,Kleinmeister', der es bei seinen begrenzten Möglichkeiten auch so sagt: 'Schuster bleib' bei deinen Leisten' - Mit der Lebensweisheit des so verehrten Wilhelm Busch wird diese Einstellung noch erhärtet:
"Halt dein Rösslein nur im Zügel,
Kommst ja doch nicht allzu weit;
Hinter jedem neuen Hügel
Dehnt sich die Unendlichkeit.
Nenne niemand dumm und säumig,
Der das Nächste recht bedenkt;
Ach die Weit ist so geräumig -
Und der Kopf ist so beschränkt."
Trotz der genannten Zurückhaltung konnte Heinz Lemmermann den vielen Kindern und Erwachsenen "von Meran bis Flensburg" durch seine Kompositionen immer wieder Begeisterung und Frohsinn bereiten. "Er hat mit seinen Chorstücken eine nicht zu beziffernde Menge singender Menschen beglückt, und er hat Millionen von Zuhörern in seinen Bann gezogen", heißt es in "Noten & Notizen". So werden die Liedsätze oder Musicals ebenso in England, Frankreich, Österreich, Polen, sogar in Kairo und an vielen anderen Orten unserer Erde gesungen oder aufgeführt. Der Meister der Musik beschreibt in einer ,Auskunft über sich selbst" die besondere Freude darüber, "dass Lieder, Kinder-Musicals, Chor- und Klaviermusiken heute ziemlich weit verbreitet sind und gar nicht so seiten ganz gerne gehört werden. Vorwiegend in Deutschlands Süden und Westen. Sogar im Ausland."
Ein Portrait über Heinz Lemmermann wäre zweifellos unvollständig, wenn wir hier nicht die vielen Schriften, in Hochdeutsch sowie in Plattdeutsch, erwähnen würden. Gerade in unserer Region ist der Autor und Herausgeber der zahlreichen hochdeutschen und plattdeutschen Bücher sehr bekannt. Ausgesprochen heiter sind beispielsweise die "Döntjes ut'n Düwelsmoor un dor umto''. Und wenn Heinz Lemmermann die Geschichten auch noch selber vorträgt oder rezitiert, dann ist bei den Zuhörern zumeist ein herzhaftes Lachen angesagt.
In den hintergründigen, humorvollen Glossen, Epigrammen und Geschichten leuchtet der Mensch in seiner ganzen Verwobenheit, in seinen Stärken und Schwächen auf. Buchtitel wie "Bookwetenpankoken", "Dirk Donnerslag", "Jan Torf", "Nägel mit Köpfen" u.v.m. weisen auf die starke Verbundenheit mit unserer Region hin. In einer Zeit, in der wir Menschen oft keine rechte Distanz mehr zu uns selber haben, kann der Humor eine wohltuende "Seelen-Medizin" sein. Vor allem der Humor "entsäuert", betont Lernmermann: "Humor vermittelt die Wärme im mitmenschlichen Umgang und im menschlichen Klima". Der Doktor der Philosophie konzentriert sich allzugern auf das "Kleine", auf Epigramme, die Glossen, auf die sogenannten "Fußangeln". So führt auch die Auseinandersetzung mit der Literaturgeschichte auf Autoren wie beispielsweise Wilhelm Busch, Matthias Claudius, Joachim Ringelnatz oder Kurt Tucholsky.
Professor Dr. Heinz Lemmermann hat immer wieder verschiedene Ehrenämter sowohl in musikalischen als auch in kulturellen Bereichen übernommen. Sein Engagement für das Gemeinwesen hat ihn auch für einige Jahre in die aktive politische Arbeit sowohl im Gemeinderat als auch auf Kreisebene geführt. Diese Tätigkeit habe ihm die Augen für die nüchternen Realitäten unserer Gesellschaft geöffnet.
In diesen Tagen wurde der 70-Jährige durch die "Verleihung des Verdienstkreuzes am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland" besonders geehrt. Außerdem wird am 14. Oktober Heinz Lemmermann der Komponisten-Preis vom Chorverband Niedersachsen-Bremen in Papenburg überreicht.
Der HEIMAT-RUNDBLICK möchte an dieser Stelle einen herzlichen Glückwunsch aussprechen und mit dem Wunsch verbinden, dass Heinz Lemmermann, der stets über den Tellerrand seiner eigenen Fächer hinauszublicken suchte, noch viele Jahre für die Kinder und auch die Erwachsenen wirksam sein und damit Freude bereiten kann.
Text: Dr. Helmut Stelljes
in: Heimat-Rundblick Nr. 54 (14. Jg., Heft 3/2000) Herbst 2000
Heinz Lemmermann - 70 Auskunft über sich selbst
Wie
andre, ohne viel zu fragen,
Ob man hier oben mich gebraucht,
So bin auch ich zu Lust und Plagen
Im Strom der Dinge aufgetaucht.
Geduld! Nach wenigen Minuten
Versink ich wieder in den Fluten.
(Wilhelm
Busch 1902, aus Anlass seines 70.
Geburtstages)
Erdendebut in der Wümme-Niederung, Trupe-Lilienthal bei Bremen. Anno 1930. Windschiefes Bauernhaus. Lebe noch heut darin. Geburtsstätte mein Arbeitszimmer. Frau Ruth und vier erwachsene Söhne. Allesamt geben Rückhalt. Ich studierte zu Hamburg. Mehr oder weniger Nützliches. Lehrte dergleichen in Bremen. Studienrat. Dozent. Professor an Pädagogischer Hochschule und Universität. Doktor der Philosophie. Chorleiter. Bildete Lehrer(innen) aus und fort. So gut es eben ging. Mit Freuden. Jedenfalls meistens. Bis heute hin bemüht, Materialien zu liefern und Hilfestellung zu geben für die immer schwieriger werdende Schule und Chorpraxis. Mischte manchmal mit in politischen und kulturellen Gremien. Auch auf Bundesebene. Schreibgier in dörflicher Ge- und Verborgenheit. Komponierte allerlei. Nichts Großartiges Nichts Abartiges. Nur Artiges. Meist "lieder"liches Stückgut. Freude darüber, dass Lieder, Kinder-Musicals, Chor- und Klaviermusiken heut ziemlich weit verbreimit sind und gar nicht so seiten ganz gerne gehört werden. Vorwiegend in Deutschlands Süden ind Westen. Sogar im Ausland. Schrieb Bücher - und kann es immer noch nicht lassen. Mit Mühen. Ernste und heitere Dicke und dünne. Wissenschaftliche "Wälzer" zur Geschichte und Pädagogik. Daneben hoch- und niederdeutsche Belletristik; nur belle, nicht triste. Norddeutschland und seinen Menschen besonders verbunden. Bergscheu, dafür wasser-, wind- und wolkensüchtig. Lieblingsbeschäftigung: Sommertags im Grase liegend Wilhelm Busch zitieren und den Wolken nachschauen, die über die norddeutsche Tiefebene schweben ... Na ja - das wär's erstmal.
Literarisches Vergnügen mit Herz und Hirn
von Bernhard Komesker (Wümme-Zeitung, 9.10.00)
Heinz
Lemmermann begeisterte beim Ringelnatz-Abend sein Publikum /
Schief ins Leben gebaut

Lilienthal. Heinz Lemmermann mag sein Publikum und das Publikum mag Heinz Lemmermann. Das war beim restlos ausverkauften Ringelnatz-Abend im Schroetersaal von Murkens Hof allenthalben spürbar. Mit einer Benefizveranstaltung zu Gunsten der Diakonischen Behindertenhilfe gab der Musikprofessor auf Einladung der Bibliothek eine neue Kostprobe seines komödiantischen Talents.
Er tat dies durchaus nicht so unfreiwillig, wie es Joachim Ringelnatz in dem Vierzeiler ausdrückte, den Lemmermann zum Ende der kurzweiligen, temperamentvollen 90 Minuten brachte: "Man hat mich vor ein Gästebuch gezerrt, das macht mir viel Verdruss. Ich fühl mich aufs Klosett gesperrt, obwohl ich gar nicht muss."
Es war das erwartet anregende Vergnügen mit Herz und Hirn, insbesondere wenn Lemmermann frei vortrug oder gar improvisierte. Gekonnt schlüpfte er so in die Rolle des norddeutschen Originals Kuttel Daddeldu, der seinen Kindern das unglaubliche Märchen vom Rotkäppchen erzählt. Die 1920 erschienene und 1923 erweiterte Sammlung um die Flunkereien der schnodderig-liebenswerten Seefahrer-Figur dürfte wohl auch Walter Moers für seinen Käptn Blaubär als Vorbild gedient haben. Lemmermann griff sich jetzt eine Buddel Rum und sponn herrlichstes Seemansgarn um die Großmutter herum, die den Wolf, den Jäger und zuletzt auch das Rotkäppchen verputzt haben soll.Ohne Zweifel ist das Maritime die bekannteste Facette des Dichters und Malers, die der 70-jährige Lemmermann im Laufe des Abends aufleuchten ließ. Doch beherrschte Joachim Ringelnatz keineswegs nur die lauten oder sarkastisch-derben Töne. 1883 wurde er in der Nähe von Leipzig als Hans Bötticher geboren, fuhr als Matrose und späterer Leutnant zur See. Nach seinem Abschied von der Marine benannte er sich um und meinte von sich "Ich bin etwas schief ins Leben gebaut." So zieht sich durch viele seiner Texte es sind regelrechte Kleinodien darunter eine schwermütig-zarte Poesie.
Lemmermann, der sich gründlich vorbereitet hatte, verglich Ringelnatz mit einem Clown, der sich mit Unsinnsspäßen und Satire über die eigene Traurigkeit hinweg rettet eigenwillig, melancholisch, den Kindern zugewandt. So soll Ringelnatz die Blumen im Teppichmuster begossen haben, damit sie auch mal Regen abbekommen. Seiner Frau gab er den Kosenamen Muschelkalk, und seine Kindergebetchen sind herzrührend innig.
Ihm gelangen Verse von schlichtester Schönheit ("Zu Anfang liebten wir uns sehr, und später mehr und mehr"), aber auch atemberaubend kühne Paar- und Kreuzreime, die mit der Erwartung des Lesers spielen und dieser doch fortwährend eine Idee voraus sind.
Da wird zum Beispiel ein männlicher Briefmark von einer Prinzessin geleckt das hatte in ihm die Liebe erweckt. Er träumte schon von ihren Küssen, da hat er verreisen müssen. Er liebte sie leider vergebens, so ist die Tragik des Lebens. Oder der Dialog zwischen Lackschuh und Wasserstiebel, den Lemmermann mit richtigem Schuhwerk nachspielte und lebendig werden ließ. Er endet mit der Erkenntnis, dass der Vornehme nicht die geringste Veranlassung hat, hochmütig zu sein oder gar dem vermeintlich Minderwertigen die Daseinsberechtigung abzusprechen.
Natürlich durften auch die Ringelnatz-Klassiker vom Bumerang und vom Fußball nicht fehlen ("Ich kenne wen, der litt akut an Fußballwahn und Fußballwut"), garniert mit einigen Volten gegen die Klimmzüge von Turnvater Jahn: "Turner, Sänger und auch Schützen sind des Reiches beste Stützen. Am besten aber dient dem Reich, wer turnt und singt und schießt zugleich."
Das sind keineswegs harmlos-unpolitische Späße, wie auch die Nazis erkannten. Ringelnatz, der in den Zwanziger Jahren auf Kabarett-Bühnen in Berlin und München eigene Texte vortrug und stets unter chronischem Geldmangel litt, bekam 1933 Auftrittsverbot und für die Ausreise in ein Schweizer Sanatorium keinen Pass mehr. 1934 starb er in Berlin an Tuberkulose.
Heinz Lemmermann, der auch ein paar Verse des womöglich seelenverwandten Wilhelm Busch einstreute, sich an den Flügel setzte oder die Mundharmonika blies, gelang so am Ende das eindrucksvolle Porträt eines ebenso kerzengeraden wie eigenwilligen Freigeistes, den man kaum als zynischen Misanthropen oder als verkrachte Existenz bezeichnen sollte. Lemmermann, der sich selbst in gewohntem Understatement "präsenilen Knittercharme" bescheinigte, wird genau gewusst haben, warum seine Wahl ausgerechnet auf einen wie Ringelnatz gefallen war.
Komponisten-Preis
für Heinz Lemmermann
(Wümme-Zeitung,
5.10.00 )
Lilienthal (usch). "War einmal ein Bumerang" ist der Titel einer Komposition des Lilienthaler Komponisten Professor Dr. Heinz Lemmermann. Beim diesjährigen Komponistenwettbewerb, den der Chorverband Niedersachsen-Bremen international ausgeschrieben hatte, brachte der "Bumerang" dem Lilienthaler Musikprofessor nun den zweiten Preis ein. Die mit 1000 Mark dotierte Auszeichnung für seinen Chor-Zyklus wird Heinz Lemmermann am 14. Oktober 2000 in Papenburg überreicht.
Die
Kammermusik ist ihm eigentlich lieber als die große Oper
Ehrung
mit dem Bundesverdienstkreuz verschlug Heinz Lemmermann nicht die
Sprache (Wümme-Zeitung,
3.9.00)
Lilienthal. "So lasst uns denn Anstoß erregen", kalauerte Heinz Lemmermann, als alle etwas zu trinken hatten. Jeder andere hätte wohl. einfach 'Prost gesagt. Der schlagfertige Platt-Professor mit dem Faible fürs mehrsinnige Wortspiel aber gehört zu jener Spezies von Menschen, die das Kleine wichtig und das Große nicht zu ernst nehmen. Und so konnten sich auch die Gäste einbezogen fühlen, als Lemmermann am späten Freitagnachmittag das Bundesverdienstkreuz verliehen wurde. Etwa 30 Kollegen, Freunde und Nachbarn - darunter sein Verleger Horst Schubert, Karl- Heinz Kupka vom Heimatverein sowie von der Universität Bremen Jürgen Timm, Werner Breckhoff und Wilhelm Torkel hattensich bei Familie Lemmermann eingefunden, um der Zeremonie beizuwohnen, die der Geehrte selbst zu einem kurzweiligen Vergnügen machte. Lemmermanns Humor und sein hohes ehrenamtliches Engagement für Kultur, Soziales und Politik waren es, die Oberkreisdirektor Hans-Dieter v. Friedrichs in seiner Laudatio besonders hervor hob.
Auch Ordensanregerin Karla Pfingsten, Vize-Landrat Harald Stehnken, Bürgermeisterin Monica Röhr sowie der Vizepräsident des Sängerbundes Niedersachsen/Bremen, Ernst Folz, fanden lobende Worte, die dem langjährigen Hochschullehrer für Musik zwar sichtlich schmeichelten. Doch wurden viele Bemerkungen der Gastredner gleich mit einem Augenzwinkern relativiert. Schon die Glückwünsche zu seinem Siebzigsten Mitte August, über die er sich sehr gefreut habe, hätten verdächtig wie Nachrufe geklungen, so Lemmermann. Dabei habe er, auf eine Redensart anspielend, nur vor, etwas langsamer zu rollen, nicht aber Moos anzusetzen." "Wir sollten uns auseinander-, aber auch zusammen setzen", kommentierte der Sozialdemokrat Rückblicke der Gastredner auf sein kommunalpoltisches Wirken in Kreistag und Gemeinderat.
Er habe ja als Ort der Ehrung statt des Rat- oder Kreishauses sein, Geburts- und Wohnhaus in der Trupe gewählt, weil mir die Kammermusik eigentlich lieber ist als die große Oper. Aus seiner Verbundenheit zu Land und Leuten hat der Emeritus nie einen Hehl gemacht. In der Ge- und Verborgenheit der dörflichen Idylle werde ich weiter meine Noten und Notizen machen", versprach der Komponist und Chorleiter, Rhetoriker, Hörfunk-Autor und Schriftsteller. Zwei Drittel des Ordens und der Anerkennung aber gebührten letztlich seiner Frau Ruth. Da Heinz Lemmermann ein erklärter Wilhelm-Busch-Fan ist, durfte auch der eine oder andere Zwei- und Vierzeiler "aus der Feder des größten Mannes aus Niedersachsen, noch vor Gerhard Schröder" nicht fehlen. Lemmermann extemporierte und rezitierte in gewohnter Leichtigkeit und unterstrich so, dass Weisheit und Witz den selben Wortstamm haben. "Die Welt ist so geräumig, und der Kopf ist so beschränkt", zählt zu Lemmermanns Maximen.
Monica Röhr, die eine von komisch wirkendem Pathos getränkte Dankesrede. auf einen Schulmeister aus dem Jahre 1893 gefunden und umgemodelt hatte, meinte, die Menschen ließen sich wohl am ehesten mit einem Schmunzeln die Wahrheit sagen.
